Was ist Neurofeedback?
Neurofeedback (oder EEG-Biofeedback) ist eine sanfte Behandlungsmethode, bei welcher mittels Sensoren die elektrische Aktivität der Nervenzellen im Gehirn eines Menschen gemessen und über den Computer wahrnehmbar gemacht werden (Stärke und Frequenz).
Durch die Wahrnehmung der sonst automatisch ablaufenden Vorgänge unseres Gehirns können wir mittels Neurofeedback im Verlauf des Trainings lernen, diese Vorgänge selbst zu steuern und zu verändern. Hirnwellen lassen sich wie Muskeln trainieren (Gehirnjogging).
Eigentlich sieht es kinderleicht aus, fast wie eine Videospiel. Nur betätigt man beim Neurofeedback keine Maus, stattdessen sind Sensoren an den Kopf fixiert (geklebt) über die Aktionen mit den Gedanken gesteuert werden können.
Nur Übung macht den meister. Ein Patentrezept, um die eigenen Gehirnwellen zu kontrollieren, gibt es nicht. Jede muss seine individuelle Strategie finden.
Therapie und Dauer
Eine erfolgreiche Neurofeedback-Therapie wird in 3 Phasen unterteilt:
- Lernphase
- Automatisierungsphase
- Stabilisierungsphase
In der Lernphase wird das Verfahren des Feedbacks geübt. Danach erfolgt die Automatisierungsphase, in der die Rückkopplung des Feedbacks mit den mentalen Zuständen automatisiert wird. In der Stabilisierungsphase werden die bereits automatisierten mentalen Zustände gefestigt und stabilisiert. Eine Therapiesitzung dauert 50 Minuten. Eine erfolgreiche Neurofeedback-Therapie umfasst 20 bis 40 Sitzungen, bei bestimmten Krankheitsbildern auch mehr. In der Lernphase wird zweimal wöchentlich, danach einmal wöchentlich eine Sitzung empfohlen.
Welche EEG-Veränderungen werden beim Neurofeedback gefördert?
Das Ziel beim Neurofeedback hängt von den Beschwerden ab, die behandelt werden sollen. Nachstehende Liste gibt einen groben Überblick über die Ziele von Neurofeedback bei bestimmten Beschwerden:
- Bei Aufmerksamkeitsproblemen (ADS) sollen Theta-Wellen bzw. das Theta/Beta Verhältnis reduziert werden.
- Sind auch Hyperaktivität und Impulsivität vorhanden (ADHS), dann ist das Ziel die Reduktion von Theta und die Erhöhung von SMR (sensomotorischer Rhythmus).
- Bei Ängsten, Sorgen und Grübeln sollen hohe Beta-Wellen reduziert werden und ein Alpha-Zustand wird angestrebt.
- Bei Tics oder dem Tourette-Syndrom soll SMR (sensomotorischer Rhythmus) erhöht werden.
- Bei Depressionen geht es um die Reduktion von Theta und die Erhöhung von Alpha vor allem in der linken Gehirnhälfte.
Anwendungsbereiche für Neurofeedback
- Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADS und ADHS)
- Konzentrationsprobleme und Gedächtnistraining
- Depressionen
- Wahrnehmungsdefizite
- Lernschwierigkeiten
- Tic-Störungen, Tourette-Syndrom
- PTSD (Posttraumatisches Stress-Syndrom)
- Suchterkrankungen
- Chronische Müdigkeit und Erschöpfung
- Schlafstörungen
- Tinnitus
Wie für den Körper, so gilt auch für die mentale Fitness: Wer regelmässig trainiert, bleibt länger leistungsfähig und fit und kann im Leben aktiv teilnehmen.
Von einem Neurofeedback-Training profitieren Meschen jeden Alters (Kinder bis Senioren) die die Aufmerksamkeit bzw. ihre Konzentration steigern möchten. Fast jedes Gehirn, unabhängig vom Ausgangszustand, kann mittel Neurofeedback zu einer besseren Funktion trainiert werden.
Von Christian Heinrich
http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/hirntraining-neuroracer-steigert-kognitive-leistungsfaehigkeit-a-920299.html